Die Wichtigkeit des Ablaufregisseurs

Die Wichtigkeit des Ablaufregisseurs

In 3 – 2 – 1- Go! Das ist der typische Cue eines Ablaufregisseurs. Aber ist es das, was eine perfekte Ablaufregie ausmacht? Natürlich auch – aber das ist bei Weitem nicht alles, das ist quasi nur die Spitze des Eisbergs. Die Aufgabe – oder vielmehr der ganzheitliche Einsatz – des Ablaufregisseurs beginnt viel früher. Zumindest sollte es so sein!

Schon in der Konzeptions- und Planungsphase leistet der Ablaufregisseur einen wichtigen Beitrag. Dabei kommt ihm eine gesunde Portion Schizophrenie zu Gute: er ist sowohl kreativ und empathisch, kann sich in Menschen hineinversetzen und Szenerien in seinem Kopf lebendig werden lassen. Gleichzeitig ist er Realist und Techniker, entdeckt Timecaps und Unwägbarkeiten. Er prüft die Realisierbarkeit und ersetzt Unstimmigkeiten durch Alternativen, die zum gleichen emotionalen Ergebnis führen. Er überlässt nichts dem Zufall, erkennt potenzielle Showstopper und Risiken und merzt sie aus.

All das fügt er zu seinem wichtigsten Werkzeug zusammen: dem Regieplan. Der Regieplan ist die Roadmap für alle Beteiligten. Künstlerauftritt, Technikeinsatz, Medienzuspielung – alles wird zu einem zweidimensionalen Puzzle zusammengesetzt, welches in der dritten Dimension auf der Bühne zu einer lebendigen und mitreißenden Show wird. Der Regieplan ist einfach, übersichtlich und klar strukturiert, leitet so alle Beteiligten durch die Show und gibt ihnen jederzeit ein sicheres Gefühl. Dabei muss der Regieplan natürlich für alle Beteiligten verständlich sein, sowohl Künstler als auch Techniker müssen damit problemlos arbeiten können. Esperanto müsste man sprechen! 

Jetzt aber: 3 – 2 – 1- Go? Noch nicht ganz. Denn der Arbeitsplatz des Ablaufregisseurs ist nicht nur im Büro, im Gespräch mit Technikern, Künstlern und Rednern sowie am FOH während der Show. Sein Arbeitsplatz ist auch die Bühne. Mindestens genauso wichtig wie der Einsatz bei der Show ist die Arbeit in den Proben. Was nicht geprobt wird, findet nicht statt! Bei den Proben wird im Zusammenspiel mit allen Akteuren und Beteiligten aus dem zweidimensionalen Regieplan eine echtes Bühnenerlebnis geschaffen. Dabei ist neben dem Zusammenführen aller Gewerke das Stage-Coaching eine zentrale Aufgabe des Ablaufregisseurs. Wer die Bühne betritt, ist auf sich allein gestellt! Eben nicht! Der Ablaufregisseur ist hier Ratgeber, Mentor und Sorgentante. Kompetentes, souveränes und ruhiges Auftreten vermittelt den Akteuren auf der Bühne – hier insbesondere den nicht-professionellen Rednern –  bereits im Vorfeld der Veranstaltung ein gutes und sicheres Gefühl. Er gibt Tipps zur Haltung und rhetorische Stützen, vermittelt Sicherheit und nimmt ihnen die Aufregung, damit sie sich auf der Bühne wohl fühlen. Denn dieses Gefühl überträgt sich auf das Publikum und ist somit ebenfalls ein Puzzleteil der gelungenen Show.  

Und dann kommt endlich das Showcalling. Jede Show erfordert eine perfekte Live-Koordination. Dabei kommt es nicht nur auf das Timing an: eine gute Show ist immer Teamwork, das Zusammenspiel aller Beteiligten. Und dazu gehört dann bei allem Adrenalin auch immer ein Lächeln, ein freundliches Wort, ein Danke. Der Ablaufregisseur muss hoch konzentriert sein, den Überblick haben, ganz tief im Hier und Jetzt sein und gleichzeitig die nächste Szene voraussehen und ankündigen. 

Ruhiges und kompetentes Auftreten sowie ein hohes Maß an Souveränität in allen Situationen sind das stabile Fundament, auf dem das 3-D-Puzzle der Show sicher steht. Ablaufregisseur Rainer Ketterer hat es im Interview mit dem Event-Partner sehr treffend formuliert:„Während der Veranstaltung ist es entscheidend, zu jeder Zeit den Überblick und die Ruhe zu bewahren. Dabei benötigt es zum einen höchste Konzentration und Aufmerksamkeit, um zur richtigen Zeit die richtigen Cues zu geben, zum anderen aber auch Flexibilität und Mut, um bei unvorhergesehenen Dingen spontan zu reagieren und die entsprechende Entscheidung zu treffen. Was aber am Ende nicht fehlen darf, sind Spaß und Freude an dem was man tut, denn das ist für mich die Basis für eine gute Leistung, und das überträgt sich auch auf das Team.“

Ein Beitrag von Thomas Lenders